Wer gegen Windkraft ist, ist für Atomkraft?

Könnte alles so schön sein, wenn nur jeder so glücklich über die Windkraft wäre, wie diese Vier. Doch Konflikte müssen lösbar bleiben, 3D-Visualisierung unterstützt den Dialog der Akteure rund um die Windenergieplanung. Quelle: Martin Jahn.

Von Monika Rech-Heider

„Wer gegen Windkraft ist, ist für Atomkraft“. So gesagt und – man muss davon ausgehen auch so gemeint – von Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel in einer Talkrunde zum Thema „Wohin mit all den Windrädern“. Polemik, rufen die ortsansässigen Bürger, die Angst um ihre Landschaft und ihre Gesundheit haben. „Ist doch so“, sagt Remmel und hat dabei die globale Brille auf. Gibt es einen Kompromiss?

Heute eröffne ich mal den Riesen-Themenkomplex Energiewende mit einem kleinen Stück über eine Talkrunde, die kürzlich bei WDR5 lief und auch noch in der Mediathek zur Verfügung steht. Brandheißes Thema, Energiewende hautnah, sozusagen. Denn wenn die saubere Windkraft in greifbare Nähe rückt, kracht es meist gewaltig. Bürgerinitiativen stehen schnell in den Startlöchern, um sich gegen die geplanten neuen Nachbarn zu formieren. Gründe dafür sind zum einen ästhetischer Natur, zum anderen aber auch Angst vor gesundheitlichen Folgen. In Schmallenberg im Sauerland zeigte sich während der Diskussion, dass das Sauerland als Tourismusgebiet um Einnahmeneinbrüche fürchtet, wenn etliche Windräder in die Landschaft gesetzt werden, wie es die Bezirksregierung Arnsberg plant. Gleichzeitig ist der Unmut in der Bevölkerung groß darüber, dass die Kommunen beim Windenergieplan der Bezirksregierung Arnsberg faktisch entmachtet werden, auch wenn sie bereits Standorte für potenzielle neue Windkraftanlagen geplant hatten, Denn nun tauchen wieder Standorte im Plan der Bezirksregierung auf, die zuvor von Kommunen in zum Teil jahrelangen und von Ingenieurbüros begleiteten Prozessen als ungeeignet bewertet wurden. Die Politik, die nach offizieller Lesart die Bürger mitnehmen will, plant hier über die Köpfe der Betroffenen hinweg oder zumindest an ihnen vorbei.

Bei der Talksendung auf WDR5 ging es noch recht gesittet zu. Ein wenig Polemik zu Beginn (siehe oben) stachelte das Diskussionsklima zwar ein etwas an, doch insgesamt blieben die über 700 Besucher in der vollbesetzten Schützenhalle des Örtchens Schmallenberg-Bödefeld und die Herren auf dem Podium (NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bürgermeister, Vertreter des NABU, Landesverband Erneuerbare Energien, Vertreter der Bürgerinitiative) doch recht sachlich. Das ist nicht immer so, auf mancher Sitzung, in der Planer und Bürger miteinander verhandeln, geht es so hoch her, dass man mir an der ein- oder anderen Stelle schon davon abriet, darüber zu schreiben.

Ich frage mich, ob die Beteiligten schon von dem Geo-IT-Tool des Fraunhofer IGD gehört haben. Es heißt 3D-VIS, ist mithilfe des Geo-Netzwerks Ingeoforum ins Leben gerufen worden, und hat genau ein Ziel: Deeskalation. Das Software-Werkzeug ist schlicht dazu erdacht worden, Prozesse mit polarisierten Meinungen und Bürgerbeteiligung wieder stärker in Richtung Kooperation und Dialog zu lenken. Vermitteln könnte das Tool durch 3D-Visualisierung natürlich auch in anderen Szenarien wie der Stromtrassenplanung. 3D-VIS hat natürlich keinen Einfluss darauf, dass die Windkraft im politisch favorisierten Energiemix eine tragende Rolle spielt. Die Software kann auch nichts gegen den Lärm der Rotoren ausrichten und ist nicht in der Lage, an Abstandsregeln zu nagen, aber es zeigt die Wirkung von Windkrafträdern im Vorfeld. Es visualisiert die Standorte, die Abstände zu Dörfern und Häusern, zum Wald oder zu touristischen Einrichtungen. Es stellt die ästhetische Wirkung dar, simuliert den Schattenwurf, überzeugt vielleicht den einen oder unterstützt die Bedenken der anderen. Den Prozess der Standortfindung müssen alle Beteiligten dennoch gehen, auch wenn er vor Ort Gewinner und Verlierer hinterlässt. Aber die Entscheidungsfindung wird mit 3D-Visualisierung sicher transparenter und damit nachvollziehbarer sein als ohne.

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