Geolösungen rund um das Erdbeben in Nepal

Das Starkbeben in der nepalesischen Himalayaregion hatte verheerende Folgen. Die reinen Zahlen geben einen Eindruck von den Ausmaßen des Elends, derzeit gilt es, Überlebende zu versorgen und Infrastruktur aufzubauen. Was aber haben wir „Geos“ damit zu tun? Vieles, will mir scheinen. Ich sammle an dieser Stelle, was ich dazu im Netz finde oder aber recherchiert habe.

Äußerst eindrucksvoll sind natürlich auch die Vorher-Nachher-Impressionen aus Satellietenbildern, die auf Datengrundlage der Pléiaden-Satelliten von Airbus Defence und Space entstanden sind:

Geowissenschaftliche Grundlagen. Eine gute Zusammenfassung der geowissenschaftlichen Grundlagen zu Erdbeben in der Region gibt die Wissensplattform „Erde und Umwelt“Hier gibts auch Informationen zu den geophysikalischen Grundlagen zum Starkbeben in Nepal.

Earth System Knowledge Platform (ESKP). Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Mit Professor Dr. Manfred Buchroithner habe ich gestern geskypt. Er weilt derzeit als Gastprofessor am COMSATS in Islamabad udn forscht über das, was er schon seit 40 Jahren forscht, den Himalaya. Als Geologe, Kartograph, Glaziologe und Fernerkundler ist er ein intimer Kenner der nepalaesischen Himalayaregion. Das Erdbeben sei nicht zu erwarten gewesen, meint Buchroithner, jedenfalls habe niemand Informationen gehabt, wann genau das Beben ausbrechen würde. Von dem medial verbreiteten 80-Jahre-Rhythmus von Erdebeben in der Region will er jedenfalls nichts wissen – mit nur zwei vorherigen Starkbeben (1934 und Mitte des 19. Jhrds) ist die Datenbasis für eine solche Interpretation einfach zu dünn. Er selbst hat schon vor Jahrzehnten begonnen, Satellitenbilddaten der Region auszuwerten und hat sich dabei unter anderem auf geologische Störungen und Bruchzonen konzentriert. Dieses Wissen versetzt Geowissenschsftler zumindest in die Lage, in gewissem Maße vorherzusagen, wo bei einem Erdbeben Brüche zu erwarten sind und wo nicht. In der Folge gibt dieses Wissen – gepaart mit der nötigen Felderfahrung – zumindest eine Basis, um abzuschätzen, wo wieder gebaut werden kann, und wo nicht.

Aktuelle Kartenwerke der Region. Die wohl aktuellsten Kartenwerke der Region – für Hilfsorganisationen auch digital kostenlos – gibt es nach Angaben von Buchrchroithner derzeit bei der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung e.V.

Wie immer aktiv ist bei solchen Ereignissen das GI-Unternehmen Esri. Im Esri Desaster Response Program macht das Unternehmen jede Menge interessanter Informationen rund um das Beben öffentlich zugänglich. Es sammelt und verortet beispielsweise Youtube-Videos und Twitter-Meldungen und Fotos, die auf Flickr oder Instagram gepostet werden. Auf der Earthquake Public Information Map wird das alles zusammengeführt.

Und noch mehr Geo-Aktivitäten rund um das Erdbeben in Nepal. Geographie-Studenten der Universität Bonn arbeiten in einem internationalen Freiwilligenprojekt zur Unterstützung der Erdbebenopfer in Nepal mit. Die Initiative wurde vom Humanitarian OpenStreetMap Team ins Leben gerufen. Ziel ist es, anhand von öffentlich zugänglichen Satellitenbildern die Schäden der Katastrophe zu erfassen und sie als Planungsgrundlage für Hilfsorganisationen aufzubereiten.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn wollen die Studierenden durch eine Beteiligung am Humanitarian OpenStreetMap Team eine detaillierte digitale Karte des Katastrophengebiets erstellen, um zur Wiedererschließung der Region beizutragen. „Man kann auch aus der Ferne und ohne finanzielle Mittel als Student wertvolle Hilfe leisten“, sagt Martin Szigeti, Geographie-Student im achten Semester an der Universität Bonn. Er und seine Kommilitonen sind Teil des internationalen Freiwilligenprojekts. Nach dem Erdbeben hat die Initiative Satellitenbilder von Nepal zur Verfügung gestellt und zur Auswertung des Materials aufgerufen.

„Auf diesem Wege können sehr schnell überlebenswichtige Informationen zur Organisation von Hilfstransporten für die Opfer des Erdbebens von Nepal zur Verfügung gestellt werden“, sagt Prof. Dr. Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn, der in seinem Projektseminar „Open Data“ auf dieses Non-Profit-Projekt hingewiesen hat. Szigeti startete daraufhin einen Aufruf auf der Homepage des Geographischen Instituts. Rasch meldeten sich etliche Studierende, die Interesse an einer Mitarbeit bekundeten.

Die grundlegenden Daten werden von der OpenStreetMap-Plattform bereitgestellt. Die Freiwilligen nehmen sich jeweils bestimmte Ausschnitte der Satellitenaufnahmen für die Bearbeitung vor: Welche Gebäude, Straßen und Brücken sind zerstört? Welche Routen sind noch befahrbar? Wie kommen Hilfslieferungen am besten zum Einsatzort? „Die Arbeit kann von zuhause aus erledigt werden. Unsere Treffen dienen dazu, sich gegenseitig kennenzulernen“, berichtet Szigeti.

Weitere Freiwillige gesucht

Der Geografie-Student hofft auf noch mehr Interessierte, die sich melden. „Es ist wunderbar, Teil eines weltweiten Projekts zu sein, an dem viele Studenten verschiedener Hochschulen und weitere Freiwillige beteiligt sind“, sagt Szigeti. Es sei eine großartige Gelegenheit für Geographie-Studierende, die Inhalte ihres Studiums mit einer so wichtigen Aufgabe zu verbinden. „Unter solchen Voraussetzungen leisten wir sehr gerne Hilfe.“

 

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