Geodäsie wird smarter

Vermesser leben in ihrer eigenen Welt – vor allem technisch. Ihre hochpräzisen Geräte zur Satellitenvermessung zum Beispiel haben mit dem GPS im Smartphone nicht viel gemeinsam. Doch ganz langsam sickert die smarte Jedermanntechnik in die Welt der Geodäsie ein.

Kann man teure GNSS-Gerätschaften (GNSS = Global Navigation Satellite System) zur hochpräzisen Land- und Ingenieurvermessung im Zentimeterbereich mit dem intuitiven Bedienungsdesign etwa der mobilen Geräte von Apple kombinieren? Geodäten alter Schule mögen das überflüssig finden, doch es gibt erste Lösungen auf dem Markt. Sie verheiraten Android- und iOS-Geräte mit externen GPS-Empfängern und können so zum Beispiel einem iPad weitaus genauere Positionsdaten zukommen lassen, als es mit dem eingebauten GPS möglich wäre.

Immerhin Genauigkeiten von einem Meter und weniger verspricht zum Beispiel der iSXBlue II GNSS-Receiver des kanadischen Herstellers Geneq, der mittels Bluetooth angekoppelt wird. Dafür muss man allerdings um die 2.000 Dollar anlegen. Etwas weniger Ausstattung, etwas spielzeughafteres Design und rund 600 Dollar Anschaffungskosten schlagen für den Bad Elf GNSS Surveyor (BE-GPS-3300) zu Buche, der – ebenfalls aus Kanada – ähnliche Genauigkeiten im Meterbereich verspricht.

Solche Lösungen konkurrieren aktuell nur mit sogenannten GIS-Handhelds wie dem Geoexplorer von Trimble oder dem GRS-1 von Topcon, die einen GNSS-Präzisionsempfänger mit eigener Bedienoberfläche in Form eines Touchscreens kombinieren. Allerdings können diese Profigeräte diverse Korrekturdatendienste (DGPS) nutzen oder lassen sich bei Bedarf sogar mit einer eigenen lokalen Referenzstation verbinden, was wirklich höchste Genauigkeitsansprüche mit Abweichungen von lediglich ein bis zwei Zentimetern erfüllt.

Erst auf der jüngsten Intergeo-Messe im Oktober in Berlin hat die Firma Eos Positioning System aus – raten Sie mal, genau – Kanada, externe GPS-Receiver mit derartigen Möglichkeiten vorgestellt, die sich an iOS oder Android-Geräte anbinden lassen. Eine wirkliche (technische) Konkurrenz in Sachen Präzisions-Positions-Bestimmung mittels iPad zu den Traditionsherstellern derartiger Gerätschaften ist also mal grad einige Monate alt. Und eins haben alle bislang vorgestellten Gerätschaften gemeinsam: Es sind eigene GNSS-Geräte, speziell dafür gebaut, mit mobilen Geräten aus dem Consumer-Umfeld zu kommunizieren. Kaum ein Vermesser, der schon GNSS-Hightech sein eigen nennt, dürfte da schwach werden. Die etablierten Anbieter von Vermessungsgeräte werden trotzdem nachziehen (müssen). Schon hat Trimble eine entsprechende Lösung angekündigt, die in diesen Wochen auf den Markt kommen soll.

Allerdings könnten diese neuen Geräte bei entsprechender Verbreitung an anderen Stellen den Markt für (Standard-)Vermessungsleistungen etwas durcheinanderbringen. Denn Apps, die eine einfache Handhabung hochgenauer GPS-Daten erlauben, sind schnell entwickelt oder existieren sogar schon. Der Clou ist ja, dass alle diese Lösungen sehr weit unten an den bestehenden Plattformen anknüpfen, das heißt, jede App auf den Geräten, die heute die internen GPS-Daten für welchen Service auch immer nutzt, kann aus dem Stand auf die hochpräzisen Daten aus dem externen GPS/GNSS-Empfänger umsatteln. Auf lange Sicht macht das professionelle Vermesser an manchen Stellen schlicht überflüssig. Etwa vor meiner Haustür, wo neulich bei der Erneuerung des Hausgasanschlusses eigens ein Geodät anrückte, um die Lage der Leitung einzumessen und einige Tage später eine Markierung anzubringen. Das kann ja im Grunde schon heute der Typ mit der Rohrzange mit erledigen, vor allem wenn er ein Präzisions-GPS künftig per Smartphone bedienen kann. So wandert bislang beim Geodäten beheimatetes Know-how in die Software.

Von der anderen Seite nähert sich das US-Unternehmen Aman Enterprises der Angelegenheit. Es setzt ganz auf Apple und bietet ein Stück Hardware als Schnittstelle an, das vorhandene GNSS-Geräte von Trimble, Topcon, John Deere etc. (Aufzählung des Anbieters) mit all ihren Möglichkeiten mit iOS-Geräten verbindet. Die Idee dabei: Es braucht auf keiner Seite neue Gerätschaften oder spezielle Software. Um einen entsprechenden Bluetooth-Dongle vom Prototyp zur Marktreife zu bringen, hat das Unternehmen gerade eine Kickstarter-Kampagne gestartet.

Das könnte bei Durchsetzung auf breiter Front eine Marktentwicklung zumindest bei iOS-Apps nach sich ziehen, kämen doch Trimble, Topcon, John Deere etc. (um die Aufzählung des Anbieters wieder aufzugreifen) in so einem Fall kaum umhin, ausgefeiltere Lösungen für den Umgang mit ihren Daten auf iPad & Co. anzubieten, als sie sie derzeit im Köcher haben. Ob und wie ihnen das gefällt, für andere mobile Hardware-Plattformen, als die eigenen, Lösungen zu entwickeln, steht dabei auf einem anderen Blatt. Die vorhandene Vermessungstechnik, auf deren Erweiterung die Lösung abzielt, erfordert wenigstens nach wie vor den kundigen Geodäten. Und außerdem: Der gemeine Vermesser könnte für knapp 350 Euro mit dem Hardware-Dongle immerhin ein nettes kleines Werbe-Argument für den smartphone-verwöhnten Nachwuchs kaufen.

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